Kurzfilmprogramm: Spaces of Resonance. Tricky Women Tricky Realities | CineAustria 2026

17.9. | 19 Uhr
Aktuelle Animationen aus Österreich. Mit anschließendem Gespräch mit den Regisseurinnen Eva Pedroza & Fanny Sorgo über ihren Film »Tako Tsubo«, moderiert von Anna Ramskogler-Witt (Doxumentale Berlin) und Sektempfang. CineAustria ist ein mehrtägiges Filmprogramm in verschiedenen Berliner Kinos im Rahmen der FeelAustria Week (14.-20. September) (Link: https://www.austria.info/de-de/empfehlungen/feel-austria/).
Echoes of Grief
A 2023, 19:23 min, R: Verena Repar
Eine Reise durch traumähnliche Welten, schwankend zwischen Schatten und Licht, Vergangenheit und Gegenwart, Schmerz und Trost. Geleitet von einem fahlen Schimmer, der einen sich ständig wandelnden Weg aus der Dunkelheit weist, gesäumt von Erinnerungen an das Unwiederbringliche. »Echoes of Grief« ist ein experimenteller Kurzfilm, der eine sehr persönliche und zugleich universelle Geschichte erzählt. Er beschreibt einen langen Weg der Spurensuche, des Verweilens, der Notwendigkeit, sich neu zu orientieren und den Weg zurück ins Leben zu finden. Er hat zum Ziel, das Unausgesprochene sichtbar zu machen, Raum für offene Gespräche zu schaffen und Trauernden Identifikation und Trost zu bieten. Nur wenn wir das Tabu des Todes und die Stigmatisierung der Trauer brechen, können wir dazu beitragen, Heilung und Verständnis für Menschen zu fördern, die einen schmerzlichen Verlust erlitten haben.
Wo ich wohne
A 2022, 11 min, R: Susi Jirkuff
In »Wo ich wohne« zeichnet Susi Jirkuff den plötzlichen Abstieg einer Person nicht nur erzählerisch, sondern, Bild für Bild, auch visuell nach. »Ich wohne seit gestern einen Stock tiefer«, sagt da die Protagonistin gleich zu Beginn. Doch keiner der Menschen in ihrer Umgebung reagiert auf diesen doch außergewöhnlichen Umstand. In der auf einer Erzählung Ilse Aichingers (1921–2016) beruhenden Animation Jirkuffs entwickeln die Elemente des Hauses ein Eigenleben. Neben dem Handlauf und der Tapete bleibt auch die weiße Zeichenfläche nicht unberührt: Jirkuffs Kohlestriche und der Kohlenstaub aus Aichingers Text färben diese grau (denn im Keller, wo die erzählende Stimme schließlich landet, wird Kohle gelagert). Wie schon in »Vermessung der Distanz« (2019) interessiert sich Susi Jirkuff hier nicht nur für die Räumlichkeit des Hauses, sondern auch für das (Nicht-)Verhalten der Mitmenschen. Niemand fragt: »Wohnten Sie nicht gestern noch neben uns?« (Andreas Dittrich)
Sie puppt mit Puppen
A 2024, 3 min, R: Karin Fisslthaler
Porträts aus alten Filmen und Magazinen angeeignet und anonymisiert: Hinter ausgestanzten Köpfen flirren strahlende Tulpen und stachelige Kakteen. Die Blumen rotieren, tanzen, pulsieren. Gerahmt von glänzendem Haar, Perlenketten und Abendkleidern oder grauen Uniformen entwickelt sich ein botanischer Fiebertraum. Im Gegensatz zum vitalistischen Blumenbilderrausch ist die Rahmung starr und in Schwarzweiß. Dazu erklingt Kurt Schwitters’ Gedicht »Sie puppt mit Puppen« aus dem Jahr 1944. Schon zu Beginn wird es fragmentiert, Zeilen purzeln hin und her, bis die Wörter sich im elektronischen Beatbox-Teppich auflösen. Aus dem rhythmisch-zerstückelten Geplapper kristallisieren sich einzelne Worte. Am Ende ist der kurze Text chronologisch in Gänze zu hören. Das Video von Karin Fisslthaler entstand als visuelle Interpretation dieses Audiostücks von Anna Clementi und Thomas Stern, das Schwitters’ Gedicht umwandelt und dabei dessen Interesse an Dekomposition und Dekonstruktion aufgreift. (Charlie Bendisch, Friederike Horstmann)
Subotopic
A/D 2023, 7 min, R: Nikki Schuster
In »Subtopic« taucht der Blick unter die Wasseroberfläche abwärts in immer tiefere Unterwasserwelten. In gemorphter Einzelbildschaltung ziehen bizarre Bildgewächse und Insektenwesen am Betrachter vorbei. Man taucht in lichtlose Räume, bis man erneut eine Lichtfläche durchdringt. Immer tiefer tauchend werden existierende Parallelwelten unter Wasser sichtbar gemacht und neue Utopien erzeugt. Oben und Unten, Innen und Außen lösen sich auf. Ein Tauchgang in eine mystische Unterwasserwelt, wo Realität und Utopie aufeinandertreffen.
Slugs’n’tongues
A 2022, 4:28 min, R: Margarete Klose & Peter Várnai
In einer phantasmatischen parallelen Realität morphen Multispezies kafkaesk zwischen Schnecken und Zungen wie Mikroben, während sie velare, uvulare und glottale Geräusche performen, Liebesgedichte widerhallend. Die Animation der morphenden Zungen-Nacktschnecken verweist auf die Lebendigkeit des Sprechens und der Stimme als Zwischenraum sowie den Austausch von Mikrobiomen beim Dialog. Sprechen wird mehr-alsmenschlich, intrusiv-kollektiv im individuellen Akzent performt und von der Hörschnecke repetiert und intoniert.
Lonely Mouth
A 2023, 6:27 min, R: Omani Frei
Quinn besitzt einen magischen Kühlschrank, der sich ständig mit neuen exotischen Köstlichkeiten füllt. Großzügig teilt sie alles mit den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ihr Leben und das ihrer Mitmenschen dreht sich um Luxus, Lust und Ekstase. Sie verschwenden keinen Gedanken daran, woher die ganzen Köstlichkeiten kommen und wie der magische Kühlschrank eigentlich funktioniert. Er funktioniert und das ist die Hauptsache. Erst als er immer weniger hergibt und schlussendlich komplett defekt zu sein scheint, sind sie gezwungen, sich genauer mit ihm zu beschäftigen. Aus Verzweiflung beginnt Quinn ihn auseinanderzunehmen, und kommt so der Quelle der scheinbaren Magie auf die Spur.
Happy Doom
A 2023, 3:30 min, R: Billy Roisz
A Spaced Out Odyssey. Eine Trip-Erfahrung, die genau jene Bewusstseinsebenen, bzw. ihre
Auflösung bereithält, die auch der Konsum bestimmter Rauschmittel ermöglicht. In den nur drei Minuten der filmischen Bewegung von »Happy Doom« kann ich den Eindruck gewinnen, durch die Leinwand hindurch in einen alternativen Raum zu fallen, kurz an das Material der Leinwand – ihre materielle Realität – erinnert werden und im selben Moment einer Reise ins Innere meines Auges beiwohnen. Die Grenzen zwischen Innen und Außen, mir und der Welt, dem Virtuellen und dem Materiellen werden durchlässig, uneindeutig, hinfällig: Ich bin Ursprung und Objekt eines Blicks, ich bin tatsächlich da und verloren gegangen, sitze im Kino und falle durch Raum und Zeit, alles ist im Fluss in einer unendlichen, nicht abzuschließenden Kreisbewegung. (Alejandro Bachmann)
Tako Tsubo
A 2024, 6:04 min, R: Eva Pedroza & Fanny Sorgo
Herr Ham entscheidet sich für eine Herzentfernung, um von seinen komplizierten Gefühlen entlastet zu werden. Der Arzt versichert ihm, dass dies in der heutigen Zeit überhaupt kein Problem mehr darstelle. Nachdenklich veranlagt behält Ham jedoch sein Herz nach der Entfernung noch eine Weile, um dieses vielleicht doch noch besser zu verstehen. »Tako Tsubo«* ist eine animierte, surrealistische Reflexion über den Umgang mit Gefühlen in einer Leistungsgesellschaft.
*Tako Tsubo, auch Stress-Kardiomyopathie oder Gebrochenes-Herz-Syndrom, ist eine seltene, akut einsetzende und oft schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels, ähnlich der eines Herzinfarkts, und entsteht zumeist durch außergewöhnlichen emotionalen oder physischen Stress.




