Geheimnisse einer Seele

30.10., 19 Uhr
D 1925/26 | Stummfilm | R: G.W. Pabst | deutsche Zwischentitel | englische Untertitel
Als der Chemiker Martin Fellmann erfährt, dass der charmante Vetter seiner schönen Frau nach langer Zeit aus Indien zurückkehrt, häufen sich bei ihm bizarre, furchterregende Träume. So stellt er sich etwa vor, dass er versucht, seine Frau mit einem Dolch zu erstechen. Dieser Traum verfolgt ihn so sehr, dass er am nächsten Tag von einer wahren Messer-Phobie besessen ist. Seine Frau und deren Vetter beginnen indes, sich Sorgen um den Mann zu machen, dessen eigene, wahnhafte Verzweiflung in dem Versuch endet, seine Frau tatsächlich zu erstechen – gerade so, wie er es in seinem Traum vorweggenommen hat. Voller Schrecken über sein eigenes, unkontrolliertes Verhalten flieht der Mann aus seinem Haus, zieht zu seiner Mutter und konsultiert einen Psychoanalytiker. In langen Sitzungen erzählt er dem Arzt von Träumen und Erinnerungen, von Erlebnissen, die ihn in der Kindheit geprägt haben und von Ängsten, die ihn noch heute plagen. Wie ein Puzzle setzen sich die einzelnen Fragmente zusammen und langsam kann der Analytiker zum Kern der Probleme seines Patienten vordringen. Nur wenige Namen sind so untrennbar mit dem Stummfilm verbunden, wie Georg Wilhelm Pabst. 1925 gelang ihm mit »Die freudlose Gasse« sein erster großer Erfolg. Der Film gilt bis heute als Meisterwerk des sozialkritischen Realismus, welches Pabsts Ruf als Meister der »Neuen Sachlichkeit« begründete. 1926 drehte er für die Kulturfilmabteilung der Ufa seinen berühmten Film »Geheimnisse einer Seele«. Gedreht von September bis November 1925, wurde er von der Ufa als »psychoanalytischer Film« beworben und mit dem Prädikat »volksbildend« versehen. Unter wissenschaftlicher Beratung der Psychoanalytiker Karl Abraham und Hanns Sachs hergestellt, zweier Mitarbeiter Sigmund Freuds, hatte Pabst den Anspruch, einen dokumentarischen Krankenbericht auf wissenschaftlicher Grundlage zu schaffen. Inhaltlich lässt sich der Film der Neuen Sachlichkeit zuordnen, was sich insbesondere durch den Realismusanspruch Pabsts und die nüchterne Erzählweise zeigt. Formalästhetisch greift er in den Traumsequenzen auf Gestaltungsmittel des zeitgenössischen filmischen Expressionismus zurück, ohne jedoch dessen Metaphorik zu reproduzieren. Seine Inszenierung differenziert die Handlungsebenen durch ihre klare Bildgestaltung: Die Traumsequenzen erscheinen nächtlich, vor dunklem Hintergrund und in visionärer Montage. Dem gegenüber stehen die szenisch angelegten, vor hellem Hintergrund gedrehten Kindheitserinnerungen des Protagonisten. Die filmische Gegenwart – das Paar und die Psychoanalysesitzungen – wird dabei in sachlich reduzierten, zurückhaltenden Bildern dargestellt. So spiegelt die kinematografische Form die verschiedene Wirklichkeitsebenen der Handlung.
Der Film wird aus Anlass des Tages des audiovisuellen Erbes gezeigt. Die Digitalisierung der restaurierten Fassung war dank des Förderprogramms Filmerbe (FFE) möglich.
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