Nur die Freiheit darf die Beziehungen regeln

Lesung »Nur die Freiheit darf die Beziehungen regeln«

15.10.2018 | 19.30 Uhr | Neuer Salon

Frühe Formen polyamorer Beziehungen: Giovanni Rossi denkt nicht nur, er probiert es aus! Lesung mit dem Herausgeber Tobias Roth

Im Februar 1890 bricht der Agronom, Veterinär und Anarchist Giovanni Rossi mit einer kleinen Gruppe von Pionier*innen auf, um in der Neuen Welt einen Versuch zu starten: Im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná gründet er die Kolonie Cecilia. Es gibt keine Regeln, keine Abmachungen, keine Hierarchien, keine Abhängigkeiten – nur mannigfaltige Beziehungen unter den Kolonist*innen. Im Besonderen setzt sich Rossi für die Befreiung der Arbeiterin ein und sucht nach neuen freundschaftlichen, emotionalen und erotischen Beziehungen – ganz im Zeichen der Anarchie. »Wie die ökonomischen Beziehungen die Fragen des 19. Jahrhunderts gewesen sind, werden die Affektbeziehungen vielleicht die brennende Frage des 20. Jahrhunderts bilden«, schrieb Rossi programmatisch. Rossis Berichte und Schriften aus Brasilien sind nun in der Übersetzung seines Brieffreundes Alfred Sanftleben neu zugänglich gemacht: »Cecilia. Anarchie und freie Liebe« erschien 2018 im Berliner Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Tobias Roth. Tobias Roth liest an dem Abend aus jenen Texten Rossis, die dessen Vorstellungen von polyamoren Beziehungskonstellationen belegen.

Giovanni Rossi wird 1856 in Pisa geboren. 1875 diplomiert er sich zum Agronom und Veterinär, 1878 erscheint sein Buch »Ein socialistisches Gemeinwesen« in Mailand, ein knapper, utopischer Roman, der bis 1891 fünf Auflagen erlebt. Den ersten Versuch einer experimentellen Gemeinschaft kann Rossi 1887 auf dem Landgut Cittadella, unweit Cremonas, starten. 1890 schifft sich Rossi mit einigen Gefährt*innen nach Brasilien ein und begründet mit ihnen die Kolonie Cecilia, die bis 1894 bestehen wird. 1907 kehr Rossi nach Italien zurück, lehrt und organisiert Tiermedizin und Agronomie. Er stirbt 1943.

Tobias Roth (*1985) ist Autor, Übersetzer und Philologe; er studierte Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Kunstgeschichte an der Universität Freiburg und Europäische Literaturen an der Humboldt Universität zu Berlin. Promotion zur volkssprachigen Lyrik Giovanni Pico della Mirandolas. Seit seinem Lyrikdebüt Aus Waben (Verlagshaus Berlin, 2013) legte er zahlreiche eigene Titel, Herausgaben sowie Übersetzungen aus dem Italienischen, Lateinischen und Französischen vor. Er ist Gründungsgesellschafter und Herausgeber im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis und lebt in München.

Eintritt: 5,- / ermäßigt 3,- Euro

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Datum

Mo, 15. Okt 2018

Uhrzeit

19:30

Preis

5 / erm. 3

Ort

NEUER SALON Brotfabrik
Kategorie
Brotfabrik Berlin

Veranstalter

Brotfabrik Berlin
Phone
+49 30 471 40 01
Email
karten@brotfabrik-berlin.de
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