21.01.2017
— 23.02.2017

Elena Ternovaja // Die Alchemie der Gedanken

Elena Ternovaja // Die Alchemie der Gedanken

Die Ausstellung vermittelt erstmals einen repräsentativen Überblick auf den Werkkomplex der Chemigramme von Elena Ternovaja.

Die Alchemie beschäftigt sich nicht nur mit der Umwandlung unedler Metalle in Gold oder Silber, sie hat auch eine tiefer gehende psychologische Komponente, da es immer auch um die Umwandlung des Menschen geht, um die Suche des Alchemisten nach sich selbst. Sie dient als Metapher für geistige und stoffliche Verwandlungen. Mit diesen Fragen beschäftigt sich die ukrainische, in Berlin lebende Fotokünstlerin Elena Ternovaja in der Ausstellung Die Alchemie der Gedanken. In ihren Werken findet die Transformation auf mehreren Ebenen statt: stofflich, in der Wahl der Wirkungsmitteln und Chemikalien, die auf Grund des Lichteinflusses einem stetigen Wandlungsprozess unterliegen; geistig, sie verwandelt ihre bewussten und unbewussten Gedanken über den Alltag, Situationen und Erinnerungen, die für sie manchmal sehr laut und zehrend sind, in Landschaften, filigrane Bilder und Kalligraphien und visuell, bezieht Elena Ternovaja ja den Betrachter in ihren Werkprozess mit ein, indem sie die Eigensprachlichkeit des Materials für ihn erlebbar macht.
Die entstandene Bilder – Chemigramme – basieren sich auf fotochemschen Reaktionen, die durch Auftragen von Entwickler, Fixierbad und anderen Wirkstoffen auf Fotopapier entstehen. Chemigramme gehören zur radikalsten Form der abstrakten Fotografie, die sich der Grenze zur Nicht-mehr-Fotografie deutlich annähern. Dabei geht es um die fixierte Spur eines gesteuerten Zusammenwirkens von Licht und lichtempfindlichen Material. Ternovaja experimentiert mit Licht, selbstgebauten Tricktisch, Glasscheiben, Chemikalien und anderen zum Teil pflanzlichen Wirkstoffen. Im Spannungsfeld von (chemischem) Zufall und bewusster Steuerung chemischer Veränderungsprozesse schafft sie ein komplexes und eigenwilliges Werk, das das ästhetische und innere Raumgefüge auf kleinstmöglichen Dimensionen verbindet. Die Bilder haben eine auffallend malerische Anmutung, die sich in den nuancierten Grau- und Farbwerten mitteilt und im subtilen, impressionistisch anmutenden Duktus von Licht und Schatten. So amalgamieren das Pikturale und der forschende, experimentierende Blick der Künstlerin in diesen Unikaten zu einem ganz eigenen Werkbegriff der Fotografie und des Malerischen.

www.ternovaja.photography

13.01.2017
— 17.01.2017

Sonia Soberats, Bruce Hall, Pete Eckert // SHOT IN THE DARK

Sonia Soberats, Bruce Hall, Pete Eckert // SHOT IN THE DARK

„Wie großartig Licht ist, verstehst du erst, wenn du erblindet bist.“ (Sonia Soberats)

Wieviel Imagination steckt in der Fotografie? Die drei blinden amerikanischen FotografInnen Sonia Soberats, Bruce Hall und Pete Eckert geben ihre Antworten in international gezeigten Bildern. Blinde und sehende visuelle KünstlerInnen sowie BetrachterInnen begegnen einander.

Anlässlich der deutschen Kinopremiere des aufwändig produzierten Dokumentarfilms „Shot In The Dark“ von Frank Amann über drei blinde bzw. sehbehinderte KünstlerInnen soll in inklusiven Zusatzveranstaltungen das Thema vertieft werden und sowohl für sehende als auch sehbehinderte/ blinde Gäste zugänglich gemacht werden.

„Mich haben die Fotografien auf Anhieb fasziniert“, sagt Kameramann und Regisseur Frank Amann. „Und zwar nicht zuerst, weil die KünstlerInnen blind bzw. sehbehindert sind, sondern weil ihre Bilder den Realismusgedanken der Fotografie unterlaufen. Als Kameramann war ich fast ein bisschen neidisch. Warum gelingen mir selten solche Bilder? Weil ich zu viel sehe? Oder zu realistisch fotografiere?“ Die Bilder von Sonia Soberats, Bruce Hall und Pete Eckert sind von internationalem Rang, wurden bereits ausgestellt in den USA, Kanada, Mexiko, Venezuela, Korea, Russland und den Niederlanden, darunter das John F. Kennedy Center of the Performing Arts in Washington, das Centro de la Imagen in Mexico City und der Flacon Art Komplex in Moskau.

Fünfzehn Fotografien von Sonia Soberats, Bruce Hall und Pete Eckert werden großformatig gezeigt und durch Audiodeskription barrierefrei zugänglich gemacht. Zugleich wird in einer selbstreflexiven audiovisuellen Installation der je subjektive und imaginäre Zugang zu Bildern verdeutlicht. Zu drei ausgewählten Fotografien werden je Fotografie drei divergente Bildbeschreibungen von BetrachterInnen aufgenommen und als polyphone Audiodeskription durch MP3-Player am Kunstwerk vermittelt.

Im Kino der Brotfabrik wird der Film „Shot In The Dark“ gezeigt (79 Min, D 2016). Der Kinodokumentarfilm, koproduziert von Arte und WDR, zeigt die drei blinden KünstlerInnen Sonia Soberats, Bruce Hall und Pete Eckert bei ihrer Arbeit in New York, Santa Ana und Sacramento. Der Film ist barrierefrei zugänglich und verfügt über eine Audiodeskription.

Informationen und Trailer zum Film: www.shotinthedark-film.com

14.10.2016
— 23.02.2017

Ursula Kelm // Im Sog der Elemente

Ursula Kelm // Im Sog der Elemente

Die BrotfabrikGalerie präsentiert erstmals eine Werkschau der fotografischen Arbeiten der Berliner Fotografin Ursula Kelm. Kelms Fotografie thematisiert in immer anderen Tonlagen das Spiel von Dauer und Vergänglichkeit. In wechselnder Bedeutung durchziehen Bilder vom Wasser das photographische Werk von Ursula Kelm. Immer wieder taucht die Metapher vom lebensspendenden und lebensbedrohenden feuchten Element in ihren Bildwelten auf: als stehendes Gewässer bis auf den Grund voller Geheimnisse, als offenes befriedetes Meer oder als lebensgefährdende Eisschollen. Von Beginn an ging es ihr nicht darum, Abbilder zu sammeln oder Realitäten zu dokumentieren, vielmehr sind es bis heute in zunehmender Verfremdung und Abstraktion Tagträume und Visionen im Wechsel von Innen- und Außenwelten, aus denen sie das 'Material' ihrer Bilderfindungen zieht. (Elisabeth Moortgart)

1942 in Berlin geboren, arbeitet als frei Fotografin, Ausbildung in der Werkstatt für Photographie Kreuzberg, internationale Studienreisen in die USA, Türkei, seit 1985 Lehrbeauftragte für Fotografie in Berlin, internationale Gastdozenturen, Ausstellungen in Europa, Australien und in den USA, diverse Kunstpreise und Auszeichnungen, lebt in Berlin.

02.09.2016
— 23.02.2017

Simone Zewnik // HOMO: IMAGINES ET SCULPTURAE

Simone Zewnik // HOMO: IMAGINES ET SCULPTURAE

Simone Zewnik ist eine Autodidaktin und ist über die Fotografie zur Bildhauerei gekommen. Das Thema aller ihrer Arbeiten ist der Mensch. Ihre Skulpturen zeigen Menschen als Individuen und in der Interaktion mit anderen. Sie erinnern durch ihre mit Heftnähten zusammengefügten, grob zusammengenähten Oberflächen aus konservierter Schweinehaut und die absichtlich nicht-naturalistische Ausführung an alte Vorstellungen von künstlich erzeugten Menschen, den Homunkuli. Diese bevölkern, wie in der biblischen Schöpfungsgeschichte und dem Spätmittelalter, seit je her die Fantasie der Menschen.

Zewniks inszenierte Schwarz-Weiss-Fotografien zeigen schonungslos und schamlos ausschließlich ihre eigene nackte Körperlichkeit in surreal anmutender schmerzender Bildsprache: Ein im Wald stehender Glaskasten mit eingesperrtem Körper, Nacktheit auf Krücken, moosbepflanzte Körper auf Baumstämmen, in den Mund gesteckte Staubsauger, gequälte Haltungen, am Ast hängende Nackte und vom Erdreich aufgefressene Körper. Die Frau auf den Fotos von Zewnik bricht aus allen Konventionen aus. Sie ist mit sich allein, liefert sich aus und teilt das Empfinden physischer und psychischer Verletzung mit. Sie stellt ihre körperliche Wahrnehmung offen zur Schau und vermag den Betrachter im Spannungsfeld konstruierter Künstlichkeit und archaisch mystischer Zeichensprache zu verführen und zu irritieren.

Simone Zewnik lebt und arbeitet im Harz. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen internationalen Galerien und Museen ausgestellt.

10.08.2016
— 27.08.2016

ALI JOHANNES ÜLKER // Malerei

ALI JOHANNES ÜLKER // Malerei

Ali Johannes Ülker lebt und arbeitet in Berlin und auf Reisen. Seine Karriere begann mit Graffiti, die Nähe zu Streetart ist allgegenwärtig. Halb menschlich halb mythisch scheinen die Charaktere seiner Bilder aus ihren eigenen anderen Welten zu kommen und finden sich ausgesetzt in einer posthumanistischen Wirklichkeit. Die Welt erscheint als Exil. Sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die verwendeten Materialien spielt die Ursprünglichkeit eine große Rolle: Ülker arbeitet mit Holz, Papier, Pappe, Leinwänden und Hauswänden. So geht es auf mehreren Ebenen um das Thema Herkunft und ungeklärte Zugehörigkeit, um den Fall aus einem Paradies, aber auch um die Entstehung von neuen Welten, um Schöpfung. Die Bilder arbeiten mit einer sinnlichen Körperlichkeit aber ohne falsche Exotismen, mit Urkräften, teilweise rituell anmutenden Szenen, aber ohne jegliche Folklore, ohne Verklärung, ohne Kitsch. Authentische Materialien und selbst gemischte Farben erinnern an die nackte Realität, an das urbane Umfeld, das mit der Dynamik und den Stimmungen der dargestellten Gestalten kontrastiert.

Ali Johannes Ülker lives and works in Berlin, but travels much of the time. His career started with graffiti, so streetart features still permeate his oeuvre. Half human, half mythical, the characters of his paintings seem to come from their own different worlds and find themselves exposed to a post human reality. The world appears as an exile. Nativeness plays an important role in terms of both content and materials. Ülker works with wood, paper, paperboard, canvases and walls. On different levels he addresses themes like origins and belongings, the fall from paradise, but also the genesis of new worlds. The paintings work with a sensual physicality but without false exoticisms; with elemental powers, sometimes ritual sceneries, but never with folklore, transfiguration or kitsch. Authentic materials and self blended colors remind the viewer of the naked reality and the urban surroundings, that contrast with the dynamic primal energy and the atmosphere of the painted characters. (Catarina von Wedemeyer)